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5300 Jahre Schrift
Universität Heidelberg: Sonderforschungsbereich 933 der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Materiale Textkulturen. Materialität und Präsenz des Geschriebenen in non-typographischen Gesellschaften
& Heidelberg Center for Cultural Heritage – HCCH
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Sonderforschungsbereich 933 der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Materiale Textkulturen & Heidelberg Center for Cultural Heritage – HCCH
 

Der ›Krönungsmantel Rogers‹

Ein Gewand zwischen Orient und Okzident (1133/34)

von Rebecca Sauer

 
Der ›Krönungsmantel Rogers II.‹

(Höhe: 1,46 m, Breite: 3,45 m, Seide, bestickt mit Goldfäden und verziert mit Perlen). Der Zusammenhang zwischen Text und Bild hat den Forschern verschiedentlich Rätsel aufgegeben, hat doch der Bildinhalt (zwei jeweils über Kamelen thronende Löwen) vordergründig nicht viel mit der recht vage gehaltenen Inschrift zu tun. Hergestellt in Palermo. Heute in der Weltlichen Schatzkammer des Kunsthistorischen Museums Wien (Inv.  WS XIII 14). Datierung: 1133/34.

 
zum Autor

Rebecca Sauer ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Teilprojekt C06 »Beruf und Bildung im islamischen Kanzleiwesen (adab al-kātib) oder: Verwaltung als Königsdisziplin« des SFB 933 an der Universität Heidelberg. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte, Kultur und Materialität(en) des Islams in Vormoderne und Moderne.

 

Artikel als PDF

Der ›Krönungsmantel Rogers‹ ist Teil des Ornats der römisch-deutschen Könige, einer über viele Jahrhunderte gewachsenen Kombination verschiedener symbolträchtiger und machtpolitisch wirksamer Einzelstücke, die jedoch nicht immer zusammen verwendet wurden. Im Zuge seiner Objektgeschichte hat der Mantel zusammen mit den anderen Bestandteilen des Krönungsornates einige interessante Neuinterpretationen erfahren. Das Gewand wurde im Jahre 1133/4 angefertigt, wie uns die gestickte Inschrift verrät. Roger hat es also entgegen seiner landläufigen Bezeichnung nicht während seiner Krönung zum König von Sizilien tragen können, die bereits 1130 stattfand. Sizilien war im Laufe des 9. Jahrhunderts von den Aghlabiden, einer nordafrikanischen sunnitischen Dynastie, erobert worden, fiel aber nach langwierigen kriegerischen Auseinandersetzungen ab Mitte des 11. Jahrhunderts in die Hände der christlichen Normannen. Es gilt als wahrscheinlich, dass im 11. Jahrhundert die Mehrheit der Bevölkerung auf Sizilien muslimisch gewesen sein dürfte und Arabisch als Geschäfts- und Alltagssprache dominierte, insbesondere in den südlichen und westlichen Teilen der Insel. Bis Mitte des 13. Jahrhunderts kam es jedoch zu einer Ost-West-Polarisierung: Im Westen der Insel (Val di Mazara) dominierten arabisch-islamische Gemeinschaften, im Nordosten (Val Demone) war ein Schwerpunkt christlich-lateinischer Kultur. Die muslimischen Bewohner Siziliens genossen während der etwa 20 Jahre dauernden Herrschaft Rogers II. weitgehende Freiheiten. So konnten sie ihre eigene Gerichtsbarkeit unter der malikitischen Rechtsschule ausüben und zahlten eine der muslimischen Kopfsteuer (jizya) ähnelnde Schutzabgabe, die jedoch nicht sehr viel höher als die Steuerlast christlicher Bewohner Siziliens lag. Dieser Umgang mit Andersgläubigen sowie die Verwendung arabisch-islamischer Anleihen bei der Repräsentation seiner Herrschaft (islamische Titel, arabisch inskribierte Münzen und Gebäude, etc.) hat Roger II. in der Moderne den Ruf eines ›toleranten Herrschers zwischen Orient und Okzident‹ eingebracht. Die arabischsprachige Herrschaftsrepräsentation war jedoch dabei nur eine unter mehreren Spielarten Rogers, Macht sichtbar werden zu lassen, denn die Herrschertitel etwa waren auch westlich-lateinischen und byzantinischen Vorbildern entnommen.

Der Mantel Rogers ist gefertigt aus rotem, kleinteilig gemustertem Samit, ist 1,46 m hoch, 3,45 m breit und mehr als 50 kg schwer. Er ist mit Goldfäden bestickt und mit einigen hundert Perlen besetzt. Mittig sehen wir einen Palmbaum, der den Mantel teilt, links und rechts dieser Mittellinie finden wir jeweils einen Löwen, der über einem sitzenden Kamel thront. Entlang der Saumborte finden wir eine arabische Inschrift mit Glückwünschen, die nach islamischer Zeitrechnung datiert ist. Verglichen mit sonst üblichen arabischen Inschriften auf Textilien ist sie relativ anonym gehalten. Namen der Auftraggeber, Hersteller und Empfänger werden nicht genannt, auch Bezüge auf Gott fehlen gänzlich. Die Verwendung des geometrischen kufischen Schriftduktus ist ebenso ungewöhnlich in Verbindung mit einem textilen Schriftträger. Die Inschrift lautet wie folgt:

»Dies gehört zu dem, was im königlichen Schatzhaus gefertigt wurde, das reich an Glück ist, an Hochachtung und Herrlichkeit, Vollkommenheit, langem Leben, Gefälligkeit, freundlicher Aufnahme, Wohlergehen, Güte, Erhabenheit, Stolz, Schönheit, Erreichen des Anvertrauten und Erhofften, [reich an] guten Tagen und Nächten ohne Ende oder Wandlung, [reich an] Macht wie Fürsorge, Bewahrung und Schutz, Glück und Gesundheit, Sieg und Geschicklichkeit, in Palermo (madīna s. iqulīya), im Jahre 528«
(1133/4 nach christlicher Zeitrechnung)

Über den Gebrauch und die Wirkung des Roger-Mantels zu seiner Entstehungszeit ist wenig bekannt — er dürfte aber als kostbares Objekt der Herrschaftsrepräsentation gegenüber der arabischsprachigen Bevölkerung Siziliens eine wichtige Rolle gespielt haben. Der Mantel gelangte auf dem Erbwege über die Staufer nach Deutschland. Erstmals urkundlich erwähnt wurde er dort in Kombination mit anderen Kleidungsstücken im Jahr 1246, als König Konrad IV. die Burg Trifels in der Rheinpfalz mitsamt den »keyserlichen Zeychen« (d. h. den Reichsinsignien) übernahm. Hier tauchte er im Ensemble mit einer arabisch und lateinisch bestickten Alba sowie mit bestickten Strümpfen auf. Ob diese Kombination schon in dieser Zeit als Zeremonialkleidung zusammen getragen wurde, ist nicht ganz klar. Möglich ist es jedenfalls, dass der Mantel bei der Krönung Friedrichs II. zum römisch-deutschen Kaiser 1220 in Rom zum Einsatz kam. In der besagten Urkunde wurde der Mantel als »kaiserlicher Mantel mit edlen Steinen« erwähnt. Die arabische Inschrift spielt also hier keine Rolle — vielmehr sind es die kostbaren Materialien, die für besonders charakteristisch erachtet werden. 1350 wird das Kleidungsstück erneut in einer Urkunde erwähnt. Darin heißt es, dass die »Kleinodien des Heiligen Reiches« dem späteren Kaiser Karl IV. (ab 1355) überreicht würden, und zwar »ein roter Mantel des heiligen Karls mit zwei Löwen, besetzt mit edlen Steinen, Perlen und Gold«. Die eigentliche Geschichte des Objektes wurde nunmehr verschleiert — war doch der Bezug auf Roger und die vor allem durch Friedrich II. diskreditierten Staufer eher unpassend geworden. Als neue Bezugsperson sollte kein geringerer als das Vorbild aller späteren Kaiser, der 1165 heilig gesprochene Karl, dienen. Kaiser Karl IV. brachte auch eine Neuinterpretation der Reichskleinodien insgesamt in Gang, in deren Folge sie zunehmend als Reliquien verehrt wurden. Nun wurde Aufwand betrieben, die Heiligtümer dem Volk vorzuführen, also sie zu ›weisen‹ — ganz ähnlich den ›Heiltumsweisungen‹, die später in Nürnberg stattfinden sollten, einer weiteren wichtigen Station der Kleinodien. Bei diesen Weisungen sollte nun allen Betrachtern der neuentstandenen ›Reliquien‹ ein Ablass gewährt werden. Dass die Herkunft des Roger-Mantels über Jahrhunderte hinweg vergessen, verdrängt oder einfach gar nicht verstanden worden war, hat dazu geführt, dass er paradoxerweise — entgegengesetzt zu seiner ursprünglichen Konzeption als Objekt der Herrschaftsrepräsentation gegenüber muslimischen Untertanen — dann lange Zeit durch ein christliches Publikum genutzt und zur Reliquie wurde. Die arabische Inschrift sollte erst Jahrhunderte später ›wiederentdeckt‹ werden.

 
Literatur

Bierman, Irene A. (Hg.) (2005), The Experience of Islamic Art on the Margins of Islam, Reading.

Enderwitz, Susanne / Folger, Robert / Sauer, Rebecca, »Einweben und Aufnähen«, in: Thomas Meier, Michael R. Ott u. Rebecca Sauer (Hgg.), Materiale Textkulturen. Konzepte – Materialien – Praktiken (Materiale Textkulturen 1), Berlin / München / Boston, 567–583.

Johns, Jeremy (2002), Arabic Administration in Norman Sicily. The Royal Diwan (Cambridge Studies in Islamic Civilization), Cambridge.

Metcalfe, Alex (2003), Muslims and Christians in Medieval Sicily. Arabic Speakers and the End of Islam (Culture and Civilization in the Middle East), London.

Seipel, Wilfried (Hg.) (2004), Nobiles Officinae. Die königlichen Hofwerkstätten zu Palermo zur Zeit der Normannen und Staufer im 12. und 13. Jahrhundert, Mailand.

Weitere Verweise

Der "Krönungsmantel" in der Digitalen Gallerie der Kaiserlichen Schatzkammer des Kunsthistorischen Museums Wien.

Der "Krönungsmantel" im Webvideo der "100 Meisterwerke".

Die Reichskleinodien im Historischen Lexikon Bayern.

Abbildungshinweis

Titelbild: Foto: MyName (Gryffindor) stitched by Marku1988, gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3098392.

 
  Wunderhorn Verlag Sonderforschungsbereich Materiale Textkulturen der Deutschen Forschungsgemeinschaft Universität Heidelberg  

Der ›Krönungsmantel Rogers‹

Ein Gewand zwischen Orient und Okzident (1133/34)

von Rebecca Sauer

Der ›Krönungsmantel Rogers II.‹

(Höhe: 1,46 m, Breite: 3,45 m, Seide, bestickt mit Goldfäden und verziert mit Perlen). Der Zusammenhang zwischen Text und Bild hat den Forschern verschiedentlich Rätsel aufgegeben, hat doch der Bildinhalt (zwei jeweils über Kamelen thronende Löwen) vordergründig nicht viel mit der recht vage gehaltenen Inschrift zu tun. Hergestellt in Palermo. Heute in der Weltlichen Schatzkammer des Kunsthistorischen Museums Wien (Inv.  WS XIII 14). Datierung: 1133/34.

Titelbild: Foto: MyName (Gryffindor) stitched by Marku1988, gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3098392.

Der ›Krönungsmantel Rogers‹ ist Teil des Ornats der römisch-deutschen Könige, einer über viele Jahrhunderte gewachsenen Kombination verschiedener symbolträchtiger und machtpolitisch wirksamer Einzelstücke, die jedoch nicht immer zusammen verwendet wurden. Im Zuge seiner Objektgeschichte hat der Mantel zusammen mit den anderen Bestandteilen des Krönungsornates einige interessante Neuinterpretationen erfahren. Das Gewand wurde im Jahre 1133/4 angefertigt, wie uns die gestickte Inschrift verrät. Roger hat es also entgegen seiner landläufigen Bezeichnung nicht während seiner Krönung zum König von Sizilien tragen können, die bereits 1130 stattfand. Sizilien war im Laufe des 9. Jahrhunderts von den Aghlabiden, einer nordafrikanischen sunnitischen Dynastie, erobert worden, fiel aber nach langwierigen kriegerischen Auseinandersetzungen ab Mitte des 11. Jahrhunderts in die Hände der christlichen Normannen. Es gilt als wahrscheinlich, dass im 11. Jahrhundert die Mehrheit der Bevölkerung auf Sizilien muslimisch gewesen sein dürfte und Arabisch als Geschäfts- und Alltagssprache dominierte, insbesondere in den südlichen und westlichen Teilen der Insel. Bis Mitte des 13. Jahrhunderts kam es jedoch zu einer Ost-West-Polarisierung: Im Westen der Insel (Val di Mazara) dominierten arabisch-islamische Gemeinschaften, im Nordosten (Val Demone) war ein Schwerpunkt christlich-lateinischer Kultur. Die muslimischen Bewohner Siziliens genossen während der etwa 20 Jahre dauernden Herrschaft Rogers II. weitgehende Freiheiten. So konnten sie ihre eigene Gerichtsbarkeit unter der malikitischen Rechtsschule ausüben und zahlten eine der muslimischen Kopfsteuer (jizya) ähnelnde Schutzabgabe, die jedoch nicht sehr viel höher als die Steuerlast christlicher Bewohner Siziliens lag. Dieser Umgang mit Andersgläubigen sowie die Verwendung arabisch-islamischer Anleihen bei der Repräsentation seiner Herrschaft (islamische Titel, arabisch inskribierte Münzen und Gebäude, etc.) hat Roger II. in der Moderne den Ruf eines ›toleranten Herrschers zwischen Orient und Okzident‹ eingebracht. Die arabischsprachige Herrschaftsrepräsentation war jedoch dabei nur eine unter mehreren Spielarten Rogers, Macht sichtbar werden zu lassen, denn die Herrschertitel etwa waren auch westlich-lateinischen und byzantinischen Vorbildern entnommen.

Der Mantel Rogers ist gefertigt aus rotem, kleinteilig gemustertem Samit, ist 1,46 m hoch, 3,45 m breit und mehr als 50 kg schwer. Er ist mit Goldfäden bestickt und mit einigen hundert Perlen besetzt. Mittig sehen wir einen Palmbaum, der den Mantel teilt, links und rechts dieser Mittellinie finden wir jeweils einen Löwen, der über einem sitzenden Kamel thront. Entlang der Saumborte finden wir eine arabische Inschrift mit Glückwünschen, die nach islamischer Zeitrechnung datiert ist. Verglichen mit sonst üblichen arabischen Inschriften auf Textilien ist sie relativ anonym gehalten. Namen der Auftraggeber, Hersteller und Empfänger werden nicht genannt, auch Bezüge auf Gott fehlen gänzlich. Die Verwendung des geometrischen kufischen Schriftduktus ist ebenso ungewöhnlich in Verbindung mit einem textilen Schriftträger. Die Inschrift lautet wie folgt:

»Dies gehört zu dem, was im königlichen Schatzhaus gefertigt wurde, das reich an Glück ist, an Hochachtung und Herrlichkeit, Vollkommenheit, langem Leben, Gefälligkeit, freundlicher Aufnahme, Wohlergehen, Güte, Erhabenheit, Stolz, Schönheit, Erreichen des Anvertrauten und Erhofften, [reich an] guten Tagen und Nächten ohne Ende oder Wandlung, [reich an] Macht wie Fürsorge, Bewahrung und Schutz, Glück und Gesundheit, Sieg und Geschicklichkeit, in Palermo (madīna s. iqulīya), im Jahre 528«
(1133/4 nach christlicher Zeitrechnung)

Über den Gebrauch und die Wirkung des Roger-Mantels zu seiner Entstehungszeit ist wenig bekannt — er dürfte aber als kostbares Objekt der Herrschaftsrepräsentation gegenüber der arabischsprachigen Bevölkerung Siziliens eine wichtige Rolle gespielt haben. Der Mantel gelangte auf dem Erbwege über die Staufer nach Deutschland. Erstmals urkundlich erwähnt wurde er dort in Kombination mit anderen Kleidungsstücken im Jahr 1246, als König Konrad IV. die Burg Trifels in der Rheinpfalz mitsamt den »keyserlichen Zeychen« (d. h. den Reichsinsignien) übernahm. Hier tauchte er im Ensemble mit einer arabisch und lateinisch bestickten Alba sowie mit bestickten Strümpfen auf. Ob diese Kombination schon in dieser Zeit als Zeremonialkleidung zusammen getragen wurde, ist nicht ganz klar. Möglich ist es jedenfalls, dass der Mantel bei der Krönung Friedrichs II. zum römisch-deutschen Kaiser 1220 in Rom zum Einsatz kam. In der besagten Urkunde wurde der Mantel als »kaiserlicher Mantel mit edlen Steinen« erwähnt. Die arabische Inschrift spielt also hier keine Rolle — vielmehr sind es die kostbaren Materialien, die für besonders charakteristisch erachtet werden. 1350 wird das Kleidungsstück erneut in einer Urkunde erwähnt. Darin heißt es, dass die »Kleinodien des Heiligen Reiches« dem späteren Kaiser Karl IV. (ab 1355) überreicht würden, und zwar »ein roter Mantel des heiligen Karls mit zwei Löwen, besetzt mit edlen Steinen, Perlen und Gold«. Die eigentliche Geschichte des Objektes wurde nunmehr verschleiert — war doch der Bezug auf Roger und die vor allem durch Friedrich II. diskreditierten Staufer eher unpassend geworden. Als neue Bezugsperson sollte kein geringerer als das Vorbild aller späteren Kaiser, der 1165 heilig gesprochene Karl, dienen. Kaiser Karl IV. brachte auch eine Neuinterpretation der Reichskleinodien insgesamt in Gang, in deren Folge sie zunehmend als Reliquien verehrt wurden. Nun wurde Aufwand betrieben, die Heiligtümer dem Volk vorzuführen, also sie zu ›weisen‹ — ganz ähnlich den ›Heiltumsweisungen‹, die später in Nürnberg stattfinden sollten, einer weiteren wichtigen Station der Kleinodien. Bei diesen Weisungen sollte nun allen Betrachtern der neuentstandenen ›Reliquien‹ ein Ablass gewährt werden. Dass die Herkunft des Roger-Mantels über Jahrhunderte hinweg vergessen, verdrängt oder einfach gar nicht verstanden worden war, hat dazu geführt, dass er paradoxerweise — entgegengesetzt zu seiner ursprünglichen Konzeption als Objekt der Herrschaftsrepräsentation gegenüber muslimischen Untertanen — dann lange Zeit durch ein christliches Publikum genutzt und zur Reliquie wurde. Die arabische Inschrift sollte erst Jahrhunderte später ›wiederentdeckt‹ werden.

Artikel als PDF

zum Autor

Rebecca Sauer ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Teilprojekt C06 »Beruf und Bildung im islamischen Kanzleiwesen (adab al-kātib) oder: Verwaltung als Königsdisziplin« des SFB 933 an der Universität Heidelberg. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte, Kultur und Materialität(en) des Islams in Vormoderne und Moderne.

Literatur

Bierman, Irene A. (Hg.) (2005), The Experience of Islamic Art on the Margins of Islam, Reading.

Enderwitz, Susanne / Folger, Robert / Sauer, Rebecca, »Einweben und Aufnähen«, in: Thomas Meier, Michael R. Ott u. Rebecca Sauer (Hgg.), Materiale Textkulturen. Konzepte – Materialien – Praktiken (Materiale Textkulturen 1), Berlin / München / Boston, 567–583.

Johns, Jeremy (2002), Arabic Administration in Norman Sicily. The Royal Diwan (Cambridge Studies in Islamic Civilization), Cambridge.

Metcalfe, Alex (2003), Muslims and Christians in Medieval Sicily. Arabic Speakers and the End of Islam (Culture and Civilization in the Middle East), London.

Seipel, Wilfried (Hg.) (2004), Nobiles Officinae. Die königlichen Hofwerkstätten zu Palermo zur Zeit der Normannen und Staufer im 12. und 13. Jahrhundert, Mailand.

Weitere Verweise

Der "Krönungsmantel" in der Digitalen Gallerie der Kaiserlichen Schatzkammer des Kunsthistorischen Museums Wien.

Der "Krönungsmantel" im Webvideo der "100 Meisterwerke".

Die Reichskleinodien im Historischen Lexikon Bayern.