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5300 Jahre Schrift
Universität Heidelberg: Sonderforschungsbereich 933 der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Materiale Textkulturen. Materialität und Präsenz des Geschriebenen in non-typographischen Gesellschaften
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Das Evangeliar Heinrichs des Löwen als teuerste Handschrift der Welt (1173–1189)

von Bernd Schneidmüller

 
Evangeliar Heinrichs des Löwen, reich bebilderte Prachthandschrift auf Pergament (Höhe: 34,2 cm, Breite: 25,5 cm)

Die abgebildete Seite (f. 171 verso) zeigt die Krönung Heinrichs des Löwen von Sachsen und Bayern und seiner Gemahlin Mathilde von England durch gekreuzte himmlische Hände.

 
Abgebildet sind neben dem Paar die Eltern und Großeltern des Herzogs und der Vater und die Großmutter der Herzogin, oben Christus, Engel und Heilige. Entstehungsort: Benediktinerkloster Helmarshausen. Wechselvolle und lückenhaft bekannte Besitzverhältnisse. Gegenwärtiger Aufbewahrungsort: Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel (Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 105 Noviss. 2° — München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 30055). Entstehungszeit: 1173–1189.
zum Autor

Bernd Schneidmüller ist Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Heidelberg, Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und Direktor des Marsilius-Kollegs. Im SFB 933 leitet er das Teilprojekt A06 »Die papierene Umwälzung im spätmittelalterlichen Europa. Vergleichende Untersuchungen zum Wandel von Technik und Kultur im ›sozialen Raum‹«.

 

Artikel als PDF

Arbeit mit mittelalterlichen Handschriften macht bescheiden und verlockt zu Superlativen. Die Bescheidenheit ergibt sich aus Ehrfurcht im Wissen um die Mühen der Buchherstellung. Angefangen vom Aufbereiten des Pergaments, vom Herstellen und rechten Mischen der Tinten und Farben über das langwierige Schreiben, die Auszeichnung durch Miniaturen bis hin zum Einbinden — eine einzige, unendliche Mühe! So mancher Schreiber bat seufzend den Leser um ein Gebetsgedenken. Zu den Superlativen führt die unendliche Kostbarkeit herausragender Handschriften. Für sie wurden von Spezialisten erlesene Tierhäute bereitet, die die besten Könner mit Purpur oder Goldtinte beschrieben. In diesem Beitrag wird ein solch herausragendes Spitzenstück vorgestellt: das Evangeliar Heinrichs des Löwen und Mathildes. Ein deutsches Bieterkonsortium erwarb diese Handschrift am 6. Dezember 1983 auf einer Londoner Auktion von Sotheby's für 32,5 Millionen DM. Bis dahin war kein höherer Preis für eine Handschrift gezahlt worden. Dabei war der Text damals noch in den meisten Haushalten vorhanden. Der Codex enthält nämlich in lateinischer Sprache die vier Evangelien des Neuen Testaments nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Mit der ersten Begeisterung, die Handschrift für das deutsche Kulturerbe gesichert zu haben, setzte ein heftiger Streit um den gerechten Preis ein.

Wegen seiner herausragenden romanischen Buch­malerei und wegen der sorgfältigen Schönheit, mit der ein Mönch den Text schrieb, zählt das Evangeliar zu den bedeutendsten Handschriften der mittelalterlichen Buchkultur. Auf dem Markt gab es keine Vergleichsstücke. Und trotzdem: War eine solche Summe, heute etwa 16 Millionen Euro, für einen Teil des Neuen Testaments nötig? Wogen die großartigen Miniaturen und die goldenen Buchstaben aus dem 12. Jahrhundert die 32,5 Millionen DM aus dem 20. Jahrhundert auf? Hatten die bis heute unbekannten Verkäufer diesen Preis verdient? Mittlerweile erscheint die Summe relativiert. In Zeiten der Geldschwemme wird für Kunstwerke von Gauguin, Picasso oder Giacometti ein Vielfaches bezahlt. Selbst Fußballclubs in der Zweiten Liga tätigen Spielerkäufe von unsicherer Nachhaltigkeit in ähnlicher Höhe. Heute könnten 16 Millionen Euro für Weltkunst schon als Schnäppchen erscheinen. Die Aufregungen von 1983 über die seinerzeit teuerste Handschrift der Welt führen uns zur Handschrift und ihren Rätseln.

Das Evangeliar Heinrichs des Löwen und Mathildes umfasst 226 Pergamentblätter. Aus dem Text der vier Evangelien stechen ein Widmungsgedicht in goldenen Buchstaben, herrliche Initialen und 20 ganzseitige Miniaturen hervor. Neben den Darstellungen biblischer Szenen stehen ein Stifter- und ein Krönungsbild, die vom Repräsentationswillen des welfischen Herzogspaares zeugen.

Das Evangeliar stammt aus der berühmten Schreib- und Malschule von Helmarshausen, knapp 50 km nördlich von Kassel. Das Widmungs­gedicht nennt Herzog Heinrich den Löwen als Auftraggeber. Abt Konrad von Helmarshausen wies den Schreibermönch Herimannus zur Niederschrift an. Herzog Heinrich der Löwe und Herzogin Mathilde stifteten »dieses von Gold glänzende Buch« zwischen 1173 und 1189 für den Marienaltar des Braunschweiger Kollegiatstifts St. Blasius. Nach dem Ankauf gelangte die Handschrift 1984 in die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Zwischen dem ersten Stiftungsort Braunschweig und dem heutigen Aufbewahrungsort legte der Codex verschlungene und teilweise unbekannte Wege zurück. Sie wirken wie ein Spiegel deutscher Geschichte. 1594 befand sich das Evangeliar in Prag. Hier wurde es 1843 von Georg Heinrich Pertz, dem Leiter der ›Monumenta Germaniae Historica‹, entdeckt. König ­Georg V. von Hannover, der regierende Nachkomme Heinrichs des Löwen, wollte dieses Zeugnis welfischer Größe unbedingt besitzen und kaufte es für die damals ungeheuerliche Summe von 10.000 Talern. Als die Handschrift 1861 in Hannover eintraf, nahm der erblindete König die Erwerbung mit tiefer innerer Rührung entgegen. 1866 verlor er sein Königreich im deutsch-deutschen Krieg an Preußen und führte die kostbare Handschrift mit ins Exil. Ihre Wege nach dem Zweiten Weltkrieg konnten noch nicht deutlich rekon­struiert werden. Ob das Welfenhaus 1983 den immensen Kaufpreis erhielt, weiß ich nicht. Jetzt ist das Evangeliar jedenfalls im öffentlichen Besitz deutscher Bibliotheken.

Heinrich der Löwe und Mathilde besaßen einen ausgeprägten Sinn für Repräsentation. In Braunschweig schufen sie sich nach ihrer Hochzeit 1168 ein Zentrum, das als Prototyp einer alteuropäischen Residenz gilt. Hier ließ das Herzogspaar mitten in der wachsenden Stadt die Stiftskirche St. Blasius neu errichten und mit erlesenen Kunstwerken schmücken. Sie sollte das Grab Heinrichs und Mathildes aufnehmen. Daneben errichtete Herzog Heinrich eine königsgleiche Palastanlage und — als Zeugnis seines Namens — ein Löwen­standbild. »Ich Heinrich von Braunschweig bin der Löwe« — dieses Motto ließ der Welfe auf Silbermünzen prägen. Das Evangeliar stand für ­diese innovative Verbindung von Fürstenpaar und Hauptstadt. Das Widmungsgedicht rühmt die kaiserliche und königliche Abstammung der Stifter und nennt ihre Hoffnung auf ewiges Leben! Das wird in einer einzigartigen Verbindung von Krönungsdarstellung und dem Weltgericht Christi deutlich, die der Betrachter gleichzeitig vor Augen hat. Im Angesicht des wiederkehrenden Heilands vollzog sich die Krönung des herzoglichen Paares durch zwei aus dem Himmel kommende gekreuzte Hände. Ausgewählte Vorfahren umrahmen Heinrich und Mathilde und bezeugen die kaiserliche und königliche Herkunft des Herzogspaares. Als Zeichen ihrer Christus-Nachfolge tragen sie goldene Kreuze in den Händen. Doch welche Bedeutung besitzen die Kronen über den Häuptern Heinrichs und Mathildes? Drückt das Bild im Evangeliar — vielleicht auf dem Höhepunkt welfischer Macht in den 1170er Jahren entstanden — Ansprüche auf eine irdische Königsherrschaft aus? Oder setzte das Herzogspaar nach dem politischen Sturz des Löwen 1180 alle Hoffnung auf himmlischen Lohn im Jenseits? Klare Antworten auf solche Fragen nach Politik und Religion gibt es nach langen Forschungsdebatten noch immer nicht.

 
Literatur

Kötzsche, Dietrich (Hg.) (1989), Das Evangeliar Heinrichs des Löwen. Kommentar zum Faksimile, Frankfurt a. M.

Schneidmüller, Bernd (2014), Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung (819–1252) (2. Aufl.), Stuttgart.

Weitere Verweise

Das "Evangeliar Heinrichs d. Löwen" (Cod. Guelf. 105 Noviss. 2° — Clm 30055) als Digitalisat der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.

Bericht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Heinrich der Löwe in der Deutschen Bibliographie.

"Barbarossa und der Löwe", ZDF-Dokumentation ("Die Deutschen", Staffel 1, Teil 3).

Abbildungshinweis

Titelbild: Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 105 Noviss. 2° – München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 30055, gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15981084, Scan aus Buch: Die Salier – Macht im Wandel, S. 352.

 
  Wunderhorn Verlag Sonderforschungsbereich Materiale Textkulturen der Deutschen Forschungsgemeinschaft Universität Heidelberg  

Das Evangeliar Heinrichs des Löwen als teuerste Handschrift der Welt (1173–1189)

von Bernd Schneidmüller

Evangeliar Heinrichs des Löwen, reich bebilderte Prachthandschrift auf Pergament (Höhe: 34,2 cm, Breite: 25,5 cm)

Die abgebildete Seite (f. 171 verso) zeigt die Krönung Heinrichs des Löwen von Sachsen und Bayern und seiner Gemahlin Mathilde von England durch gekreuzte himmlische Hände. Abgebildet sind neben dem Paar die Eltern und Großeltern des Herzogs und der Vater und die Großmutter der Herzogin, oben Christus, Engel und Heilige. Entstehungsort: Benediktinerkloster Helmarshausen. Wechselvolle und lückenhaft bekannte Besitzverhältnisse. Gegenwärtiger Aufbewahrungsort: Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel (Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 105 Noviss. 2° — München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 30055). Entstehungszeit: 1173–1189.

Titelbild: Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 105 Noviss. 2° – München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 30055, gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15981084, Scan aus Buch: Die Salier – Macht im Wandel, S. 352.

Arbeit mit mittelalterlichen Handschriften macht bescheiden und verlockt zu Superlativen. Die Bescheidenheit ergibt sich aus Ehrfurcht im Wissen um die Mühen der Buchherstellung. Angefangen vom Aufbereiten des Pergaments, vom Herstellen und rechten Mischen der Tinten und Farben über das langwierige Schreiben, die Auszeichnung durch Miniaturen bis hin zum Einbinden — eine einzige, unendliche Mühe! So mancher Schreiber bat seufzend den Leser um ein Gebetsgedenken. Zu den Superlativen führt die unendliche Kostbarkeit herausragender Handschriften. Für sie wurden von Spezialisten erlesene Tierhäute bereitet, die die besten Könner mit Purpur oder Goldtinte beschrieben. In diesem Beitrag wird ein solch herausragendes Spitzenstück vorgestellt: das Evangeliar Heinrichs des Löwen und Mathildes. Ein deutsches Bieterkonsortium erwarb diese Handschrift am 6. Dezember 1983 auf einer Londoner Auktion von Sotheby's für 32,5 Millionen DM. Bis dahin war kein höherer Preis für eine Handschrift gezahlt worden. Dabei war der Text damals noch in den meisten Haushalten vorhanden. Der Codex enthält nämlich in lateinischer Sprache die vier Evangelien des Neuen Testaments nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Mit der ersten Begeisterung, die Handschrift für das deutsche Kulturerbe gesichert zu haben, setzte ein heftiger Streit um den gerechten Preis ein.

Wegen seiner herausragenden romanischen Buch­malerei und wegen der sorgfältigen Schönheit, mit der ein Mönch den Text schrieb, zählt das Evangeliar zu den bedeutendsten Handschriften der mittelalterlichen Buchkultur. Auf dem Markt gab es keine Vergleichsstücke. Und trotzdem: War eine solche Summe, heute etwa 16 Millionen Euro, für einen Teil des Neuen Testaments nötig? Wogen die großartigen Miniaturen und die goldenen Buchstaben aus dem 12. Jahrhundert die 32,5 Millionen DM aus dem 20. Jahrhundert auf? Hatten die bis heute unbekannten Verkäufer diesen Preis verdient? Mittlerweile erscheint die Summe relativiert. In Zeiten der Geldschwemme wird für Kunstwerke von Gauguin, Picasso oder Giacometti ein Vielfaches bezahlt. Selbst Fußballclubs in der Zweiten Liga tätigen Spielerkäufe von unsicherer Nachhaltigkeit in ähnlicher Höhe. Heute könnten 16 Millionen Euro für Weltkunst schon als Schnäppchen erscheinen. Die Aufregungen von 1983 über die seinerzeit teuerste Handschrift der Welt führen uns zur Handschrift und ihren Rätseln.

Das Evangeliar Heinrichs des Löwen und Mathildes umfasst 226 Pergamentblätter. Aus dem Text der vier Evangelien stechen ein Widmungsgedicht in goldenen Buchstaben, herrliche Initialen und 20 ganzseitige Miniaturen hervor. Neben den Darstellungen biblischer Szenen stehen ein Stifter- und ein Krönungsbild, die vom Repräsentationswillen des welfischen Herzogspaares zeugen.

Das Evangeliar stammt aus der berühmten Schreib- und Malschule von Helmarshausen, knapp 50 km nördlich von Kassel. Das Widmungs­gedicht nennt Herzog Heinrich den Löwen als Auftraggeber. Abt Konrad von Helmarshausen wies den Schreibermönch Herimannus zur Niederschrift an. Herzog Heinrich der Löwe und Herzogin Mathilde stifteten »dieses von Gold glänzende Buch« zwischen 1173 und 1189 für den Marienaltar des Braunschweiger Kollegiatstifts St. Blasius. Nach dem Ankauf gelangte die Handschrift 1984 in die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Zwischen dem ersten Stiftungsort Braunschweig und dem heutigen Aufbewahrungsort legte der Codex verschlungene und teilweise unbekannte Wege zurück. Sie wirken wie ein Spiegel deutscher Geschichte. 1594 befand sich das Evangeliar in Prag. Hier wurde es 1843 von Georg Heinrich Pertz, dem Leiter der ›Monumenta Germaniae Historica‹, entdeckt. König ­Georg V. von Hannover, der regierende Nachkomme Heinrichs des Löwen, wollte dieses Zeugnis welfischer Größe unbedingt besitzen und kaufte es für die damals ungeheuerliche Summe von 10.000 Talern. Als die Handschrift 1861 in Hannover eintraf, nahm der erblindete König die Erwerbung mit tiefer innerer Rührung entgegen. 1866 verlor er sein Königreich im deutsch-deutschen Krieg an Preußen und führte die kostbare Handschrift mit ins Exil. Ihre Wege nach dem Zweiten Weltkrieg konnten noch nicht deutlich rekon­struiert werden. Ob das Welfenhaus 1983 den immensen Kaufpreis erhielt, weiß ich nicht. Jetzt ist das Evangeliar jedenfalls im öffentlichen Besitz deutscher Bibliotheken.

Heinrich der Löwe und Mathilde besaßen einen ausgeprägten Sinn für Repräsentation. In Braunschweig schufen sie sich nach ihrer Hochzeit 1168 ein Zentrum, das als Prototyp einer alteuropäischen Residenz gilt. Hier ließ das Herzogspaar mitten in der wachsenden Stadt die Stiftskirche St. Blasius neu errichten und mit erlesenen Kunstwerken schmücken. Sie sollte das Grab Heinrichs und Mathildes aufnehmen. Daneben errichtete Herzog Heinrich eine königsgleiche Palastanlage und — als Zeugnis seines Namens — ein Löwen­standbild. »Ich Heinrich von Braunschweig bin der Löwe« — dieses Motto ließ der Welfe auf Silbermünzen prägen. Das Evangeliar stand für ­diese innovative Verbindung von Fürstenpaar und Hauptstadt. Das Widmungsgedicht rühmt die kaiserliche und königliche Abstammung der Stifter und nennt ihre Hoffnung auf ewiges Leben! Das wird in einer einzigartigen Verbindung von Krönungsdarstellung und dem Weltgericht Christi deutlich, die der Betrachter gleichzeitig vor Augen hat. Im Angesicht des wiederkehrenden Heilands vollzog sich die Krönung des herzoglichen Paares durch zwei aus dem Himmel kommende gekreuzte Hände. Ausgewählte Vorfahren umrahmen Heinrich und Mathilde und bezeugen die kaiserliche und königliche Herkunft des Herzogspaares. Als Zeichen ihrer Christus-Nachfolge tragen sie goldene Kreuze in den Händen. Doch welche Bedeutung besitzen die Kronen über den Häuptern Heinrichs und Mathildes? Drückt das Bild im Evangeliar — vielleicht auf dem Höhepunkt welfischer Macht in den 1170er Jahren entstanden — Ansprüche auf eine irdische Königsherrschaft aus? Oder setzte das Herzogspaar nach dem politischen Sturz des Löwen 1180 alle Hoffnung auf himmlischen Lohn im Jenseits? Klare Antworten auf solche Fragen nach Politik und Religion gibt es nach langen Forschungsdebatten noch immer nicht.

Artikel als PDF

zum Autor

Bernd Schneidmüller ist Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Heidelberg, Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und Direktor des Marsilius-Kollegs. Im SFB 933 leitet er das Teilprojekt A06 »Die papierene Umwälzung im spätmittelalterlichen Europa. Vergleichende Untersuchungen zum Wandel von Technik und Kultur im ›sozialen Raum‹«.

Literatur

Kötzsche, Dietrich (Hg.) (1989), Das Evangeliar Heinrichs des Löwen. Kommentar zum Faksimile, Frankfurt a. M.

Schneidmüller, Bernd (2014), Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung (819–1252) (2. Aufl.), Stuttgart.

Weitere Verweise

Das "Evangeliar Heinrichs d. Löwen" (Cod. Guelf. 105 Noviss. 2° — Clm 30055) als Digitalisat der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.

Bericht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Heinrich der Löwe in der Deutschen Bibliographie.

"Barbarossa und der Löwe", ZDF-Dokumentation ("Die Deutschen", Staffel 1, Teil 3).