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5300 Jahre Schrift
Universität Heidelberg: Sonderforschungsbereich 933 der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Materiale Textkulturen. Materialität und Präsenz des Geschriebenen in non-typographischen Gesellschaften
& Heidelberg Center for Cultural Heritage – HCCH
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Sonderforschungsbereich 933 der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Materiale Textkulturen & Heidelberg Center for Cultural Heritage – HCCH
 

Eine mörderische Schlacht gegen die Iuthungen

Der Augsburger Siegesalter (260 n. Chr.)

von Christian Witschel

 
Altar mit Sockel und profiliertem Gesims aus Jura-Kalkstein

(Höhe: 156 cm, Breite: 97 cm, Tiefe: 75 cm). Auf den Schmalseiten Reliefdarstellungen der Siegesgöttin Victoria und des Kriegsgottes Mars; auf der Vorderseite eine lange Weiheinschrift an die Dea Victoria. Gefunden 1992 in Augsburg (Deutschland) östlich der römischen Stadt bei Bauarbeiten im Kiesbett eines Altarms des Lechs; hierhin wohl sekundär verlagert. Heute im Römischen Museum der Stadt Augsburg (Inv. Lap. 1200). Datierung: 11. September 260 n. Chr.

 
zum Autor

Christian Witschel ist seit 2005 Professor für Alte Geschichte an der Universität Heidelberg und seit 2013 Geschäftsführender Direktor des HCCH. Er beschäftigt sich insbesondere mit der Epoche der Spätantike sowie mit der Lateinischen Epigraphik und leitet im Rahmen des SFB 933 das UP2 im Teilprojekt A01 »Spätantike Inschriftenkultur(en) im Imperium Romanum – zum Wandel von Kommunikationsstrukturen und Kommemorationsmedien am Ende der Antike«.

 

Artikel als PDF

Am 24. und 25. April des Jahres 260 n. Chr. tobte in der Nähe von Augsburg, das in der Antike die Hauptstadt der römischen Provinz Raetia war, eine mörderische Schlacht: Ein Militäraufgebot unter Führung des Statthalters von Raetien besiegte eine Gruppe von germanischen Invasoren, welche zuvor bis nach Norditalien vorgedrungen waren. Dort hatten sie viele Gefangene gemacht und waren bereits auf dem Rückweg, als sie von den römischen Truppen zur Schlacht gezwungen und geschlagen wurden — das zeigt, wie brüchig die römische Grenzverteidigung in der Mitte des 3. Jahrhunderts geworden war. Von diesen dramatischen Ereignissen wussten wir bis vor 25 Jahren rein gar nichts, denn kein antiker Schriftsteller hat hierüber berichtet. Das änderte sich, als im Jahr 1992 ein Bagger im Kiesbett des Flusses Lech bei Augsburg auf einen größeren Stein stieß, der sich als ein römischer Weihealtar für die Siegesgöttin Victoria mit Reliefdarstellungen eben jener Göttin sowie des Kriegsgottes Mars auf den beiden Schmalseiten sowie einer langen Inschrift auf der Vorderseite erwies.

Unter einer ›Inschrift‹ verstehen wir eine in ein dauerhaftes Material gefasste Botschaft, die sowohl der Kommunikation mit den Zeitgenossen als auch der Überlieferung an die Nachwelt diente. Inschriften sind aufgrund ihrer einigermaßen guten Erhaltungschancen eine unschätzbare historische Quelle; und nicht selten kann sogar ein einziger Neufund — so wie in dem vorliegenden Fall — unser Geschichtsbild erheblich verändern. Welche Neuigkeiten enthüllt nun der Text des ›Augsburger Siegesaltares‹? Wir erfahren hier nicht nur von der Schlacht im April 260, sondern auch etwas über die Gegner, die als »Barbaren vom Stamm der Semnonen bzw. der Iuthungen« eingeführt werden — Semnones war ein traditioneller germanischer Stammesname, während die Iuthungi, die in späteren Zeiten dem römischen Reich mehrfach zu schaffen machten, hier erstmals erwähnt werden. Wir befinden uns mitten in der Phase der Formierung neuer germanischer Verbände und können sehen, dass man auf römischer Seite bezüglich deren Benennung so unsicher war, dass man eine Doppelbezeichnung wählte. Interessant ist ferner die genauere Aufschlüsselung des römischen Heeresaufgebotes, denn dieses umfasste nicht nur die »Soldaten der Provinz Raetia«, sondern auch Truppen aus der benachbarten Provinz Germanien sowie eine Art Volksmiliz. Offenbar hat man also in dieser Notlage sehr rasch eine Armee aus verschiedenen Teilen zusammengewürfelt, um den Feind noch rechtzeitig stellen und die angeblich »vielen tausenden Gefangenen aus Italien« befreien zu können. Ein besonderes Augenmerk verdient schließlich die Datierungsangabe am Ende der Inschrift. Sie verweist auf den Tag der Einweihung des Monuments, den 11. September, und enthält zudem eine Jahresangabe. Diese erfolgt wie üblich durch die Angabe der amtierenden Konsuln — nur sind letztere nicht die regulären Amtsträger des Reiches, was es zu erklären gilt.

Soweit die Informationen, die sich direkt aus dem Text der Inschrift gewinnen lassen. Aber es gibt noch weit mehr auf dem Stein zu ›entziffern‹, denn seine Gestaltung enthüllt eine mehrphasige, wechselvolle Geschichte des Artefakts, welche wiederum mit größeren historischen Entwicklungen verbunden war. So lässt sich erkennen, dass das Siegesmonument nicht eigens neu gearbeitet wurde, sondern dass man hierfür einen bereits früher entstandenen Weihestein wiederverwendete. Auf der Vorderseite trug man dabei die Steinoberfläche ein wenig ab, um hierauf dann die neue Inschrift einzumeißeln. Spuren der früheren Inschrift sind aber an einigen Stellen noch deutlich zu erkennen. Die Reliefs auf den Schmalseiten ließ man hingegen unverändert; ja es ist sogar zu vermuten, dass der Stein ganz gezielt aufgrund dieses Bildschmuckes ausgewählt wurde, der auch zu der Neuverwendung sehr gut passte. In der Inschrift selbst sind die zwei Passagen auffällig, an denen der Text nachträglich ausgemeißelt wurde (allerdings glücklicherweise so oberflächlich, dass man den Text bei günstigem Licht gerade noch lesen kann). Betroffen hiervon waren die Nennung des siegreichen Statthalters samt seines Heeres sowie die Datierungsangabe mit den Namen der beiden amtierenden Konsuln. Solche ›Rasuren‹ kamen vor allem dann zur Anwendung, wenn man das Andenken an bestimmte Personen oder Ereignisse demonstrativ auslöschen wollte. Sie zeigen, dass man inschriftlich aufgezeichneten Botschaften erhebliche Aufmerksamkeit gewidmet haben muss, denn die zu tilgenden Textteile sind ganz bewusst ausgewählt worden. Bei noch genauerem Hinsehen lässt sich zudem erkennen, dass die Rasuren nicht einheitlich ausgeführt wurden, sondern augenscheinlich in zwei verschiedenen Phasen erfolgten.

Wie lassen sich nun diese Vorgänge erklären? Das Jahr 260, in dem der Augsburger Siegesaltar entstand, war eines der turbulentesten der gesamten römischen Geschichte. Im Frühjahr, als die eingefallenen Germanen besiegt wurden, regierten noch Kaiser Valerian und sein Sohn Gallienus gemeinsam das Imperium Romanum. Im Sommer wurde jedoch Valerian auf einem Feldzug im Osten des Reiches von dem Perserkönig Shapur I. gefangen genommen. Als sich die Nachricht von diesem unerhörten Ereignis verbreitete, kam es an mehreren Stellen zu Aufständen, so auch am Niederrhein, wo ein Mann namens Postumus zum Gegenkaiser ausgerufen wurde und ein eigenes Herrschaftsgebiet begründete, das sogenannte ›Gallische Sonderreich‹. Diesem Gebilde muss sich bald darauf auch die Provinz Rae­tia angeschlossen haben (was wir bislang ebenfalls nicht wussten!), denn als am 11. September der Altar in Augsburg eingeweiht wurde, datierte man dort nach den neuen, von Postumus ernannten Konsuln — darunter an erster Stelle dieser selbst. Der verbliebene Kaiser Gallienus konnte hierauf nicht sofort reagieren, hat aber einige Zeit später doch versucht, das Gallische Sonderreich zurückzugewinnen. Der sich daraus entwickelnde Bürgerkrieg mit Postumus scheint für ihn zunächst erfolgreich verlaufen zu sein, musste dann aber nach einer Verwundung des Kaisers abgebrochen werden. In der ersten Phase der Auseinandersetzung dürfte Gallienus jedenfalls nach längeren Kämpfen die Rückeroberung Raetiens gelungen sein; und man hat daraufhin auf dem Altar zunächst den Namen des abtrünnigen Statthalters und schließlich auch den des Postumus selbst getilgt. Somit stellt der Augsburger Siegesaltar in mehrfacher Hinsicht ein höchst bedeutsames Zeugnis für die komplexe Geschichte des 3. Jahrhunderts n. Chr. dar.

 

 
Literatur

Bakker, Lothar (1993), »Raetien unter Postumus – Das Siegesdenkmal einer Juthungenschlacht im Jahre 260 n. Chr. aus Augsburg«, in: Germania 71, 369–386.

Dietz, Karheinz (2012), »Zum Kampf zwischen Gallienus und Postumus«, in: Thomas Fischer (Hg.), Die Krise des 3. Jahrhunderts n. Chr. und das Gallische Sonderreich (Schriften des Lehr- und Forschungszentrums für die antiken Kulturen des Mittelmeerraumes 8), Wiesbaden, 29–62.

Jehne, Martin (1996), »Überlegungen zur Chronologie der Jahre 259 bis 261 n. Chr. im Lichte der neuen Postumus- Inschrift aus Augsburg«, in: Bayerische Vorgeschichtsblätter 61, 185–206.

Witschel, Christian (2011), »Die Provinz Germania superior im 3. Jh. n. Chr. – ereignisgeschichtlicher Rahmen, quellenkritische Anmerkungen und die Entwicklung des Städtewesens«, in: Regula Schatzmann u. Stepanie Martin-Kilcher (Hgg.), L’Empire romain en mutation. Répercussions sur les villes dans la deuxième moitié du 3ème siècle (Archéologie et histoire romaine 20), Montagnac, 23–64.

Weitere Verweise

Den ausführlichen Videovortrag, der im Rahmen der 2015er Akademischen Mittagspause gehalten wurde, finden Sie hier.

Einen ausführlich bebilderten Datenbankeintrag zum Siegesaltar gibt es in der Epigraphischen Datenbank Heidelberg sowie auf Ubi Erat Lupa.

Abbildungshinweis

Titelbild: Foto: Christian Witschel (EFH F035430).

 
  Wunderhorn Verlag Sonderforschungsbereich Materiale Textkulturen der Deutschen Forschungsgemeinschaft Universität Heidelberg  

Eine mörderische Schlacht gegen die Iuthungen

Der Augsburger Siegesalter (260 n. Chr.)

von Christian Witschel

Altar mit Sockel und profiliertem Gesims aus Jura-Kalkstein

(Höhe: 156 cm, Breite: 97 cm, Tiefe: 75 cm). Auf den Schmalseiten Reliefdarstellungen der Siegesgöttin Victoria und des Kriegsgottes Mars; auf der Vorderseite eine lange Weiheinschrift an die Dea Victoria. Gefunden 1992 in Augsburg (Deutschland) östlich der römischen Stadt bei Bauarbeiten im Kiesbett eines Altarms des Lechs; hierhin wohl sekundär verlagert. Heute im Römischen Museum der Stadt Augsburg (Inv. Lap. 1200). Datierung: 11. September 260 n. Chr.

Titelbild: Foto: Christian Witschel (EFH F035430).

Am 24. und 25. April des Jahres 260 n. Chr. tobte in der Nähe von Augsburg, das in der Antike die Hauptstadt der römischen Provinz Raetia war, eine mörderische Schlacht: Ein Militäraufgebot unter Führung des Statthalters von Raetien besiegte eine Gruppe von germanischen Invasoren, welche zuvor bis nach Norditalien vorgedrungen waren. Dort hatten sie viele Gefangene gemacht und waren bereits auf dem Rückweg, als sie von den römischen Truppen zur Schlacht gezwungen und geschlagen wurden — das zeigt, wie brüchig die römische Grenzverteidigung in der Mitte des 3. Jahrhunderts geworden war. Von diesen dramatischen Ereignissen wussten wir bis vor 25 Jahren rein gar nichts, denn kein antiker Schriftsteller hat hierüber berichtet. Das änderte sich, als im Jahr 1992 ein Bagger im Kiesbett des Flusses Lech bei Augsburg auf einen größeren Stein stieß, der sich als ein römischer Weihealtar für die Siegesgöttin Victoria mit Reliefdarstellungen eben jener Göttin sowie des Kriegsgottes Mars auf den beiden Schmalseiten sowie einer langen Inschrift auf der Vorderseite erwies.

Unter einer ›Inschrift‹ verstehen wir eine in ein dauerhaftes Material gefasste Botschaft, die sowohl der Kommunikation mit den Zeitgenossen als auch der Überlieferung an die Nachwelt diente. Inschriften sind aufgrund ihrer einigermaßen guten Erhaltungschancen eine unschätzbare historische Quelle; und nicht selten kann sogar ein einziger Neufund — so wie in dem vorliegenden Fall — unser Geschichtsbild erheblich verändern. Welche Neuigkeiten enthüllt nun der Text des ›Augsburger Siegesaltares‹? Wir erfahren hier nicht nur von der Schlacht im April 260, sondern auch etwas über die Gegner, die als »Barbaren vom Stamm der Semnonen bzw. der Iuthungen« eingeführt werden — Semnones war ein traditioneller germanischer Stammesname, während die Iuthungi, die in späteren Zeiten dem römischen Reich mehrfach zu schaffen machten, hier erstmals erwähnt werden. Wir befinden uns mitten in der Phase der Formierung neuer germanischer Verbände und können sehen, dass man auf römischer Seite bezüglich deren Benennung so unsicher war, dass man eine Doppelbezeichnung wählte. Interessant ist ferner die genauere Aufschlüsselung des römischen Heeresaufgebotes, denn dieses umfasste nicht nur die »Soldaten der Provinz Raetia«, sondern auch Truppen aus der benachbarten Provinz Germanien sowie eine Art Volksmiliz. Offenbar hat man also in dieser Notlage sehr rasch eine Armee aus verschiedenen Teilen zusammengewürfelt, um den Feind noch rechtzeitig stellen und die angeblich »vielen tausenden Gefangenen aus Italien« befreien zu können. Ein besonderes Augenmerk verdient schließlich die Datierungsangabe am Ende der Inschrift. Sie verweist auf den Tag der Einweihung des Monuments, den 11. September, und enthält zudem eine Jahresangabe. Diese erfolgt wie üblich durch die Angabe der amtierenden Konsuln — nur sind letztere nicht die regulären Amtsträger des Reiches, was es zu erklären gilt.

Soweit die Informationen, die sich direkt aus dem Text der Inschrift gewinnen lassen. Aber es gibt noch weit mehr auf dem Stein zu ›entziffern‹, denn seine Gestaltung enthüllt eine mehrphasige, wechselvolle Geschichte des Artefakts, welche wiederum mit größeren historischen Entwicklungen verbunden war. So lässt sich erkennen, dass das Siegesmonument nicht eigens neu gearbeitet wurde, sondern dass man hierfür einen bereits früher entstandenen Weihestein wiederverwendete. Auf der Vorderseite trug man dabei die Steinoberfläche ein wenig ab, um hierauf dann die neue Inschrift einzumeißeln. Spuren der früheren Inschrift sind aber an einigen Stellen noch deutlich zu erkennen. Die Reliefs auf den Schmalseiten ließ man hingegen unverändert; ja es ist sogar zu vermuten, dass der Stein ganz gezielt aufgrund dieses Bildschmuckes ausgewählt wurde, der auch zu der Neuverwendung sehr gut passte. In der Inschrift selbst sind die zwei Passagen auffällig, an denen der Text nachträglich ausgemeißelt wurde (allerdings glücklicherweise so oberflächlich, dass man den Text bei günstigem Licht gerade noch lesen kann). Betroffen hiervon waren die Nennung des siegreichen Statthalters samt seines Heeres sowie die Datierungsangabe mit den Namen der beiden amtierenden Konsuln. Solche ›Rasuren‹ kamen vor allem dann zur Anwendung, wenn man das Andenken an bestimmte Personen oder Ereignisse demonstrativ auslöschen wollte. Sie zeigen, dass man inschriftlich aufgezeichneten Botschaften erhebliche Aufmerksamkeit gewidmet haben muss, denn die zu tilgenden Textteile sind ganz bewusst ausgewählt worden. Bei noch genauerem Hinsehen lässt sich zudem erkennen, dass die Rasuren nicht einheitlich ausgeführt wurden, sondern augenscheinlich in zwei verschiedenen Phasen erfolgten.

Wie lassen sich nun diese Vorgänge erklären? Das Jahr 260, in dem der Augsburger Siegesaltar entstand, war eines der turbulentesten der gesamten römischen Geschichte. Im Frühjahr, als die eingefallenen Germanen besiegt wurden, regierten noch Kaiser Valerian und sein Sohn Gallienus gemeinsam das Imperium Romanum. Im Sommer wurde jedoch Valerian auf einem Feldzug im Osten des Reiches von dem Perserkönig Shapur I. gefangen genommen. Als sich die Nachricht von diesem unerhörten Ereignis verbreitete, kam es an mehreren Stellen zu Aufständen, so auch am Niederrhein, wo ein Mann namens Postumus zum Gegenkaiser ausgerufen wurde und ein eigenes Herrschaftsgebiet begründete, das sogenannte ›Gallische Sonderreich‹. Diesem Gebilde muss sich bald darauf auch die Provinz Rae­tia angeschlossen haben (was wir bislang ebenfalls nicht wussten!), denn als am 11. September der Altar in Augsburg eingeweiht wurde, datierte man dort nach den neuen, von Postumus ernannten Konsuln — darunter an erster Stelle dieser selbst. Der verbliebene Kaiser Gallienus konnte hierauf nicht sofort reagieren, hat aber einige Zeit später doch versucht, das Gallische Sonderreich zurückzugewinnen. Der sich daraus entwickelnde Bürgerkrieg mit Postumus scheint für ihn zunächst erfolgreich verlaufen zu sein, musste dann aber nach einer Verwundung des Kaisers abgebrochen werden. In der ersten Phase der Auseinandersetzung dürfte Gallienus jedenfalls nach längeren Kämpfen die Rückeroberung Raetiens gelungen sein; und man hat daraufhin auf dem Altar zunächst den Namen des abtrünnigen Statthalters und schließlich auch den des Postumus selbst getilgt. Somit stellt der Augsburger Siegesaltar in mehrfacher Hinsicht ein höchst bedeutsames Zeugnis für die komplexe Geschichte des 3. Jahrhunderts n. Chr. dar.

Artikel als PDF

zum Autor

Christian Witschel ist seit 2005 Professor für Alte Geschichte an der Universität Heidelberg und seit 2013 Geschäftsführender Direktor des HCCH. Er beschäftigt sich insbesondere mit der Epoche der Spätantike sowie mit der Lateinischen Epigraphik und leitet im Rahmen des SFB 933 das UP2 im Teilprojekt A01 »Spätantike Inschriftenkultur(en) im Imperium Romanum – zum Wandel von Kommunikationsstrukturen und Kommemorationsmedien am Ende der Antike«.

Literatur

Bakker, Lothar (1993), »Raetien unter Postumus – Das Siegesdenkmal einer Juthungenschlacht im Jahre 260 n. Chr. aus Augsburg«, in: Germania 71, 369–386.

Dietz, Karheinz (2012), »Zum Kampf zwischen Gallienus und Postumus«, in: Thomas Fischer (Hg.), Die Krise des 3. Jahrhunderts n. Chr. und das Gallische Sonderreich (Schriften des Lehr- und Forschungszentrums für die antiken Kulturen des Mittelmeerraumes 8), Wiesbaden, 29–62.

Jehne, Martin (1996), »Überlegungen zur Chronologie der Jahre 259 bis 261 n. Chr. im Lichte der neuen Postumus- Inschrift aus Augsburg«, in: Bayerische Vorgeschichtsblätter 61, 185–206.

Witschel, Christian (2011), »Die Provinz Germania superior im 3. Jh. n. Chr. – ereignisgeschichtlicher Rahmen, quellenkritische Anmerkungen und die Entwicklung des Städtewesens«, in: Regula Schatzmann u. Stepanie Martin-Kilcher (Hgg.), L’Empire romain en mutation. Répercussions sur les villes dans la deuxième moitié du 3ème siècle (Archéologie et histoire romaine 20), Montagnac, 23–64.

Weitere Verweise

Den ausführlichen Videovortrag, der im Rahmen der 2015er Akademischen Mittagspause gehalten wurde, finden Sie hier.

Einen ausführlich bebilderten Datenbankeintrag zum Siegesaltar gibt es in der Epigraphischen Datenbank Heidelberg sowie auf Ubi Erat Lupa.